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Die Vergessene Schlacht

 

 

 

Eine Zusammenfassung  der Schlacht von Hohenlinden


Von


Günter Schneider

 

 


Für den hier eingestellten Artikel über die Schlacht von Hohenlinden bedanke ich mich herzlichst bei Günter Schneider, dem Autoren des oben genannten Buches.

 


 

 

Die Wiedereröffnung der Feindseligkeiten


Die französischen Streitkräfte waren bei Wiederbeginn der Feindseligkeiten am 28. November 1800 wie folgt eingeteilt: die Italienarmee mit 55.000 Mann unter Brune hinter dem Oglio, die gallo-batavische Armee mit 16.000 Mann unter Augereau auf beiden Rheinufern, die Armee von Graubünden mit 18.500 Mann unter Macdonald in der Umgebung von Chur und die Rheinarmee mit 80.000 Mann unter Moreau zwischen Isar und Inn. Brune sollte das Etschtal besetzen, Macdonald Trient erobern, Augereau Moreaus linke Flanke decken, und Moreau sollte den Hauptschlag gegen die Verbündeten führen, er sollte Inn und Enns überschreiten.
Die Rheinarmee stand auf einer weit auseinandergezogenen Linie von der Tiroler Grenze bis Rosenheim (Lecourbe) über Hohenlinden (Moreau) bis nördlich der Isen (Grenier). Sainte-Suzanne schloß sich in Richtung Donau an der Altmühl an. Moreau war nicht informiert über die Bewegungen der Verbündeten. Ihr Übergang über den Inn schien ihm nicht wahrscheinlich. Allerdings hatte auch Moreau für den Zeitpunkt der Wiedereröffnung der Feindseligkeiten keinen Plan für einen Innübergang und einen Angriff auf Österreicher und Bayern gefaßt. Seine Truppen sollten sich auf Rekognoszierungen gegen den Inn und Zurückdrängen der feindlichen Vorposten beschräken


Hohenlinden

Hohenlinden






Nach einem für die Franzosen ungünstigen Gefecht bei Ampfing hatte Moreau die Absicht der Österreicher erkannt. Erzherzog Johann hatte mit dem größten Teil seiner Armee den Inn überschritten, nicht bereit, hinter dem Fluß in einer defensiven Stellung zu verharren und auf einen Angriff der Franzosen zu warten. Das französische Korps Grenier zog sich in ziemlicher Ordnung zurück, und Moreau erteilte umgehend die Befehle zur Wiedervereinigung seiner Armee in den alten Stellungen von vor dem Waffenstillstand.
Die Pläne der Verbündeten waren offengelegt. Aber dadurch, daß diese nach dem Gefecht von Ampfing einen Ruhetag einlegten, hatte Moreau alle Zeit, den größten Teil seiner Kräfte zu vereinigen. Demzufolge erließ er die folgenden Anordnungen: Generalleutnant Grenier erhielt Befehl, die Stellung wieder einzunehmen, die er am 7. Frimaire (28. November) innehatte; seine Rechte bei Hohenlinden, seine Linke bei Harthofen. Ney stand auf der Höhe bei Preisendorf, Bastoul bei Forstern. Das 23. Chasseurregiment sowie je 1 Bataillon der 53. und 89. Halbbrigade standen unter dem Brigadechef Bonnet bei Isen. Legrands Truppen standen auf den Höhen östlich von Reithofen und Harthofen. Zur Deckung seiner Flanke und der Straßen von Lengdorf hatte er 5 Kompanien der 16. Halbbrigade und 2 Schwadronen des 16. Chasseurregiments am Vorabend bei Bittelbach und Hörlkofen zurückgelassen. Das Zentrum bildete die Division Grouchy bei Stockach, angelehnt an den Ebersberger Forst mit Hohenlinden und der Straße nach Ebersberg im Rücken. Grouchy versperrte die Hauptstraße von Haag nach München. Die Reservekavallerie unter General d´Hautpoul wurde Generalleutnant Grenier unterstellt und stellte sich hinter Hohenlinden auf, außer der Brigade von General Espagne, der mit 4 Kompanien der 16. Halbbrigade der Division Legrand nach Erding geschickt wurde, um in dieser Gegend die äußerste linke Flanke der Armee und die Verbindung nach München zu decken.
General Richepance ging auf Ebersberg zurück und General Decaen auf Zorneding. Generalleutnant Lecourbe kehrte nach Helfendorf in seine erste Stellung zurück. Den größten Teil seiner Kräfte stellte er auf seiner Linken bei der Quelle der Glonn bei Pframmern auf. Die beiden Divisionen des Generalleutnants Ste. Suzanne, befehligt von General Collaud, erhielten Befehl, sich nach Freising zu begeben, um dort am 12. Frimaire (3. Dezember) anzukommen.
Der 11. Frimaire (2. Dezember) wurde genutzt, alle diese Bewegungen auszuführen. Die Verbündeten verfolgten die Division von General Grandjean nur schwach. Diese bildete immer noch die Nachhut der beiden Divisionen, die am Vortag gekämpft hatten. Der Rest der Armee führte seinen Rückzug durch, ohne verfolgt zu werden.
Die Schlacht vom 3. Dezember wies vier Zentren auf: Im Norden zwischen Harthofen und Forstern standen die französischen Divisionen Legrand und Bastoul (für den bei Ampfing verwundeten Hardy) den Truppen Kienmayers zwischen Buch und Wetting gegenüber.
In der Mitte von Preisendorf über Kronacker und Hohenlinden bis Birkach und Kreith waren die Divisionen Ney und Grouchy im Kampf mit Baillet-Latours und Löpperts Truppen verwickelt. Bei Hohenlinden stand die Reservekavallerie d´Hautpoul.
Im Süden bei St. Christoph und Schützen kämpften die Österreicher unter Riesch gegen die Division Decaen und die Brigaden Drouet und Sahuc der Division Richepance. Und schließlich im Osten bei Maitenbeth und westwärts davon stand ein Teil der französischen Division Richepance der Division Kolowrat gegenüber.

 

 

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Das Gefecht bei Birkach und Kreith

 General Löppert, der Führer der österreichischen Vorhut, begann schon in aller Frühe mit dem Beschuß der französischen Stellungen, da er schon am Vorabend bei Kreith und Birkach in Position gegangen war. Sein Angriff kam viel zu früh, da nur Kolowrat mit seiner Zentrumskolonne in der Lage war, ihn in diesem Kampf zu unterstützen. Kolowrat war mit seinen Truppen im Großhaager Forst über die gut ausgebaute Haager Straße bis zur Kreuzung der Hauptstraße mit der Straße von St. Christoph nach Isen gekommen.
Die Flügelkolonnen jedoch waren noch weit zurück. Drei Stunden und mehr würden diese noch benötigen, um auf gleiche Höhe mit Kolowrat zu gelangen. Längere Anmarschwege und vor allem viel schlechtere Wegverhältnisse waren die Ursachen hierfür. Mit dem Angriff hätte somit bis zum Eintreffen der übrigen Kolonnen gewartet werden müssen.
Kolowrat warf immer mehr Abteilungen der Reservekolonne in das Gefecht auf der Ebene bei Hohenlinden. Zunächst die Erzherzog-Ferdinand-Husaren, dann Generalmajor Spannochi mit den österreichischen Grenadierbataillonen Sebottendorf und Tegetthof, dann die drei bayerischen Bataillone Reuß, Metzen und Minucci unter Generalmajor Deroy und schließlich die österreichischen Grenadierbataillone de Ligne und Morwitz unter Generalmajor Bayer. Die Franzosen jedoch konnten den massiven Angriffen standhalten.

 

 

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Das Gefecht zwischen Harthofen und Kronacker

  

Während bei Birkach und Kreith die Truppen General Grouchys dem Angriff widerstanden, begannen die Verbündeten unter Kienmayer zwischen Buch und Kronacker gegen die Divisionen Legrand, Bastoul und Ney vorzugehen. Wenn der nördliche Flügel auch einen Nebenschauplatz der Schlacht darstellte, so war es unabdingbar vonnöten, daß Grenier den Angriff Kienmayers abwehrte, was für den Ausgang der Schlacht von höchster Wichtigkeit war. Bei Buch griff Erzherzog Ferdinand an und südlich davon Fürst Schwarzenberg. Die Divisionen Greniers konnten den Angriffen standhalten. Erst gegen Abend erfuhr Kienmayer von der Niederlage des Zentrums. Seine Truppen ließ er daraufhin nach Dorfen zurückgehen.
Fresnel sollte gegen Reithofen und Tading vorrücken, worauf er um 4 Uhr mit seinen Truppen das Lager verließ. Bei Bittlbach stieß er auf die Franzosen, die sich aber nach kurzem Geplänkel auf Buch zurückzogen, wo sie sich zunächst festsetzten. Nach Verstärkung durch Truppen Erzherzogs Ferdinand können die Franzosen aus Buch vertrieben werden. Jedoch bleibt Fresnel bis zum allgemeinen Rückzug hier bei Buch gegen die Divisionen Legrand und Bastoul im Einsatz, da er nicht weiter gegen Reithofen und Tading vordringen vermochte.
Die zweite Division des Korps Kienmayer unter FML. Fürst Schwarzenberg konnte den Franzosen erheblichen Widerstand entgegensetzen.
Nachdem das Dorf Isen von den Franzosen geräumt worden war, ging Schwarzenberg hier über den gleichnamigen Bach uind wandte sich in Richtung Loipfing, von wo die Höhe nach Wetting, der Buchrain, erstiegen werden mußte, bevor man weiter ins Tal nach Hohenlinden vorstoßen konnte. Bei Neuharting traf Schwarzenberg auf ein Detachement Baillet-Latours (4 Escadrons Zeschwitz-Kürassiere, 1 Bataillon Brechainville), das mit den Franzosen im Gefecht stand. Mit Hilfe von fünf Bataillonen (Gemmingen, Clerfayt, 2 Beaulieu, de Ligne) seiner Division wurde der Gegner bis Wetting zurückgetrieben, wobei die österreichischen Reiter ungefähr 50 Gefangene machten. Nun wurde Schwarzenberg auf seiner linken Flanke bedroht, da aus Richtung Kronacker eine beträchtliche Kolonne Infanterie und Kavallerie (89. Halbbrigade und 17. Kavallerieregiment) vorrückte. Zwei Bataillone Murray, ein Bataillon Erzherzog Ferdinand sowie die Mack-Kürassiere drangen trotz heftigstem Gewehrfeuer vor und vertrieben die Franzosen aus Kronacker. Gleichzeitig konnte GM. Graf Gavassini mit einem Bataillon Gemmingen Forstern und mit einem Bataillon Beaulieu, unterstützt durch ein Bataillon de Ligne, Wetting einnehmen. Diese beiden Dörfer bliebn weiterhin hart umkämpft, da die Franzosen immer wieder unerbittlich gegen diese Punkte vorrückten. Ein Umgehungsversuch der Franzosen bei Tading, wo ein Bataillon Brechainville zersprengt wurde, konnte durch ein Bataillon Erzherzog Ferdinand aufgehalten werden. In dieser Situation erhielt auch Schwarzenberg den Rückzugsbefehl. Um diesen Rückzug nach Isen zu decken, ließ Schwarzenberg noch einen Angriff von Forstern aus über die Hauptstraße von Hohenlinden nach Erding hinaus führen. Hierbei drang ein Adjutant des Generals Bastoul mit einem Trompeter als Unterhändler zu den Österreichern vor, um diese zur Ergebung aufzurufen, da sie eingeschlossen und von der restlichen Armee abgeschnitten seien. Ungeachtet dieser Aufforderung konnte Schwarzenberg, der Graf Gavassini die Arrieregarde übertragen hatte, ohne Verlust eines Geschützes Isen erreichen, von wo der weitere Rückzug auf Dorfen erfolgte.
Auch Baillet-Latour, der mit Abteilungen des halbrechten Flügels der Verbündeten von Mittbach gegen Kronacker und Niederkaging vorgerückt war (erst gegen 11 Uhr vormittags), mußte nach der Niederlage der Zentrumskolonne Kolowrats den Rückzug antreten. Er war ebenso wie die anderen Kolonnen um 5 Uhr morgens von Haag aufgebrochen und über Schnaupping und Weiher nach Mittbach marschiert, wo er sich hinter dem Ort aufstellte. Zögerlich schickte er verschiedene Detachements zur Unterstützung Löpperts gegen Hohenlinden und Kienmayers in Richtung Kronacker. Das Gros seiner Truppen blieb ungenutzt bei Mittbach und Schnaupping stehen. Während Baillet vorsichtig Teile seiner Truppen die Höhe hinab in die Ebene von Hohenlinden schickte, machte sich im Osten der Vormarsch Richepances bemerkbar.

Das Gefecht bei Maitenbeth und St.Christoph

Hohenlinden Schlacht 

 

Wie es zur Niederlage der Zentrumskolonne der Verbündeten kam soll im folgenden geschildert werden. Moreau stellte im späten Vormittag fest, daß die Österreicher den Angriff nicht mehr mit aller Härte führten und sehr unsicher wurden. Der Flankenmarsch von General Richepance konnte ihnen bekannt geworden sein, und es war nun die Zeit gekommen, ihre Front anzugreifen. Moreau erteilte hierzu Grenier den Befehl, worauf die Generäle Ney und Grouchy ebenfalls umgehend ihre Angriffskolonnen bildeten. General Ney sollte über die Chaussée gegen den Eingang des Haager Forstes vorstoßen. General Grouchy sollte sich gegen denselben Punkt wenden und dabei die linke Flanke der Verbündeten bedrohen. Schon bald hatte General Ney mit seiner Division den Verbündeten 8 bis 10 Geschütze und mehr als 1 000 Gefangene weggenommen. Bald mußte General Richepance von Maitenbeth her durch den Wald erscheinen.
Diese Division hatte um 4 Uhr morgens ihre Stellungen bei Tulling, Steinhöring, Oberndorff, Merskirch und Ebersberg verlassen, um sich bei St. Christoph zu vereinigen. Um 7 Uhr morgens war sie dort vollständig versammelt. Gegen 7.15 Uhr wandte sie sich von St. Christoph nach Maitenbeth.

"Wege, Berge und Wälder waren so schwer zu begehen, daß wir jeden Moment fürchteten, nicht mehr vorwärts zu kommen, und daß wir gezwungen waren auf jeden Raum für einen Rückzug zu verzichten. Die Kavallerie mußte in diesem Engpaß mehr als zwei Meilen einzeln hintereinander reiten, die Kolonnenspitze war durch verworrene Aussagen des Führers verunsichert, ein dichtes Schneegestöber erlaubte keinem weiter als zehn Schritt zu sehen und der Feind, der von Wasserburg auf St. Christoph marschierte, zeigte sich in unserer rechten Flanke, auf Höhe des ersten Bataillons der 14. leichten Halbbrigade, das sich fast in der Mitte der Division befand."

(Hierbei handelte es sich um zwei österreichische Grenadierbataillone, die von der Division Kolowrat zusammen mit einer Schwadron Vecsey-Husaren gegen Schützen gesandt wurden, wo sie gegen 8 Uhr eintrafen. Sie sollten den Angriff Löpperts auf der linken Flanke sichern, indem sie die Position von Schützen einnahmen. Der Kommandeur der linken Flügelkolonne der Verbündeten Riesch hatte dem Erzherzog gemeldet, daß sich sein Eintreffen verzögern würde, seine Truppen waren zu diesem Zeitpunkt noch hinter Albaching auf dem Vormarsch. Anm. d. Verf.)

 

Umgehend begann ein ziemlich heftiges Gewehrfeuer, und da man aus sehr geringer Entfernung auf einander schoß, wurden augenblicklich die Pferde von zwei Munitionswagen getötet.
Diese versperrten nun den Weg für alle, die sich dahinter befanden. Diejenigen, die vorübergelangt waren, beeilten sich, zur Kolonnenspitze aufzuschließen, diejenigen, die sich dahinter befanden, und die nun die Kolonnenspitze bildeten, wichen zunächst zurück. Eine geringe Unordnung entstand, aber der General Drouet, der noch weiter zurück war, kam an und stellte die Ordnung und die Einheit wieder her. Er ließ das 5. Husarenregiment sich zurückziehen, behielt nur die Infanterie und verteidigte sich mit Erfolg, ohne jedoch die Verbindung zwischen ihm und der Spitze der Division wiederherstellen zu können.
Da die führenden Truppen in Verwirrung geraten und die rückwärtigen Truppenteile abgeschnitten waren, ließ ich Halt machen. Wir formierten uns in geschlossener Kolonne, dies war das beste, was man auf vereisten Wegen und in Sümpfen machen konnte, zudem war das Gelände auf allen Seiten von ziemlich steilen Bergen umgeben, und man konnte nicht weiter als 20 Schritt vor sich sehen. Zu dieser Zeit suchten wir einen Führer in den Gehöften vor uns, wir fanden den Feind dort vor, wir nahmen alles gefangen, was wir antrafen, und wir erfuhren, daß wir nur noch 500 Toisen von Maitenbeth enfernt waren, und daß es auf unserer Höhe lag, auf der linken Seite, oberhalb des Kamms des Steilhangs, dessen Fuß wir nur sahen. [...]
Richepance

Gegen 10.30 Uhr stießen die ersten Abteilungen der Kolonne Riesch unter Gyulai bei Schützen und östlich von St. Christoph auf die Franzosen. Gegen halb fünf am Morgen hatte diese Kolonne ihre Lagerplätze verlassen und war nach Albaching marschiert. Hier in Albaching erfuhr Riesch, daß St. Christoph, Steinhöring und Tulling von den Truppen der französischen Divisionen Richepance und Decaen besetzt waren.
Zu gleicher Zeit etwa wie die Kolonne Riesch war auch die Division Decaen auf dem Schlachtfeld eingetroffen, um Drouet und Sahuc zu entlasten. Gegen 12 Uhr gelang Drouet dann auch die Vereinigung mit Richepance an der Kreuzung der Hauptstraße Haag-Hohenlinden mit dem Weg von Schützen nach Etschlohe.
Kehren wir zurück zu General Richepance, der bei Maitenbeth die Straße nach Haag erreichte.
Die 8. Halbbrigade und das 1. Chasseurregiment wurden in einen Kampf mit der Kavallerie Liechtensteins verwickelt, die den Abschluß der Zentrumskolonne bildete. Die 48. Halbbrigade marschierte links von der 8. auf und schwenkte auf der großen Straße von Haag nach Hohenlinden nach links, um den Verbündeten in den Rücken zu fallen. Sarrut und Walther blieben mit den beiden anderen Einheiten bei Maitenbeth und widerstanden allen Angriffen der Liechtensteinschen Kavallerie. Richepance marschierte mit der 48. in Richtung Hohenlinden.

Auf der großen Straße angekommen lasse ich alle Kolonnen nach links schwenken, und schon sind wir alle in Kolonne auf der großen Straße. Das Bataillon, das sich am weitesten links befindet und folglich nach dem Linksabmarsch an der Spitze, ist nur zweihundert Schritt von der Waldspitze in Richtung Haag entfernt. Es bekommt drei Kartätschenladungen und das Feuer eines Bataillons, das dem Lärm gefolgt war, den der Beginn des Kampfes verursacht hatte: dieses Bataillon schließt auf, rückt zusammen, fällt das Bajonett und marschiert vorwärts. [...]
Wir gelangen in den Wald, wir marschieren schnell vorwärts, wir folgen der großen Straße, und alles, was nicht den Weg frei macht, um Platz zu machen, wird gefangen genommen, erschossen, mit dem Bajonett erstochen oder niedergesäbelt. Der Feind indessen setzt sich zur Wehr und erscheint vier oder fünf mal mit massierten Formationen; aber einmal in Schwung gekommen wird alles in die Katastrophe mitgerissen; sie haben selbst auf dieser Straße die Menge der angehäuften Geschütze gesehen, mein General, die Toten, mit denen sie übersät war, und die immer noch ganz verzweifelten Gefangenen.
Als wir fast das entgegengesetzte Ende des Waldes erreicht haben, begegnen wir einem französischen Dragoneroffizier, der uns berichtet, daß es keine Truppen mehr auf der Straße gäbe, und daß die Division Ney uns im selben Augenblick erreichen werde. Alles, was sich dort befindet, macht kehrt und marschiert in den Wald in Richtung Haag der 8. und dem 1. Chasseurregiment zu Hilfe, die der Feind von rückwärts bedrängte, und vor allem die Spitze des Waldes zu gewinnen, bevor alles, was wir dort an feindlicher Kavallerie und Infanterie zersprengt hatten, Zeit gewänne, ihn zu verlassen und uns zu entfliehen. [...] Bis zu unserer Ankunft in Haag, mein General, waren sie Zeuge der weiteren Begebenheiten. Ich schweige über den Mut, den die Truppen gezeigt haben. Die Lage, in der sie gesiegt haben, erlaubt keiner Feder würdig darüber zu berichten. Worauf ich mein ganzes Leben lang stolz sein werde, sind ihre Aufopferung und das Vertrauen, das sie mir während der ganzen Schlacht geschenkt haben. [...]
Richepance an Dessolle

 

General Moreau

Gedenkstätte Hohenlinden

Nachdem Decaen in Zorneding um 5 Uhr morgens aufgebrochen war, schlug er die Straße nach Wasserburg über Ebersberg ein. Bei Oberndorf hinter Ebersberg wandte er sich nach Norden in Richtung Abersdorf und schließlich St.Christoph. Bei Steinhöring ließ er zur Sicherung der Hauptstraße nach Wasserburg die Brigade Debilly mit 6 Geschützen, der 100. Halbbrigade und den 17. Dragonern zurück. Diese Abteilung sollte zudem die Verbindung zwischen Ebersberg und Hohenlinden aufrecht erhalten bis die Truppen des rechten Flügels unter Lecourbe ankamen und sie ablösen konnten. Dies geschah jedoch an diesem Tage nicht mehr. Bei St. Christoph war wie gesehen gegen 10.30 Uhr General Decaen den Brigaden Drouet und Sahuc begegnet, die Richepance zurückgelassen hatte.
Soldaten der polnischen Legion zeichneten sich bei den Kämpfen der Division Decaen in besonderer Weise aus. So wird berichtet, daß ein Leutnant Kostanecki mit nur 8 Ulanen 60 Infanteristen gefangen nahm und 6 Kanonen eroberte. Der Ulan Pawlikowski zwang ganz allein 57 Infanteristen dazu, die Waffen zu strecken, nachdem er den Hauptmann und den Leutnant niedergestochen hatte. Ein französischer Chasseur wollte ihm zu Hilfe eilen, doch bei seinem Eintreffen hatten sich die Österreicher schon ergeben. Während die beiden die Gefangenen fortführten, begegnete ihnen Moreau, worauf der Ulan Bericht erstattete, den der Chasseur ergänzte, da Moreau das schlechte Französisch des Polen nicht verstand. Moreau wollte Pawlikowski auf der Stelle zum Offizier ernennen, worauf der Pole erwiderte: "Ne sais lire, ne sais écrire, ne puis officier." Daraufhin bot Moreau ihm seine gefüllte Geldbörse an, die der Ulan ebenfalls ablehnte: "Les Polonais se battent pour l´honneur et non pour l´argent." Schließlich beförderte Moreau den Ulanen doch noch zum Sergeanten mit Doppelsold.
Ein anderer Ulan, mit Namen Trandowski, wettete mit einem Kameraden um eine halbe Flasche Wein, daß er den Fürsten Liechtenstein, der ihnen mit seiner Reiterei gegenüber stand, gefangen nehmen würde. Trandowski stürzte sich auf den General, packte ihn am Hals und jagte mit seiner Beute zurück vor seinen Hauptmann. Liechtenstein wurde schon bald auf Ehrenwort entlassen und gegen einen polnischen Major ausgetauscht. Bevor er zu seinen Truppen zurückkehrte, bot Liechtenstein Trandowski seine Uhr und seine Börse an. Dieser aber lehnte das Geschenk ab und erbat sich lediglich Liechtensteins Sporen zum Andenken.
Überall herrschte nur heillose Verwirrung und Flucht. Jeder versuchte seine Haut zu retten, aber der Fluchtweg war eng und weitestgehend versperrt. Egal, wohin man sich wandte, die Franzosen waren da und drängten mit aller Macht vorwärts.

Es war sechs Uhr abends, und die einbrechende Nacht rettete die feindliche Armee vor der völligen Vernichtung. Seit 4 Uhr war die Schlacht mit großer Überlegenheit gewonnen; an einem Sommertag, an dem man noch 5 Stunden hätte kämpfen können, hätten die Österreicher keine 70 Geschütze gerettet, und mehr als die Hälfte ihrer Armee wäre vernichtet worden. Das Ergebnis dieses Tages waren 11.000 Gefangene, worunter 179 Offiziere mit den Generälen Deroy und Spannocchi und 4 Oberste waren, unter anderem auch der Fürst de Ligne. Auch fielen 100 Geschütze in unsere Hände. Die Kriegsgeschichte bietet kein einziges Beispiel für eine solch große Menge Artillerie, die jemals einer österreichischen Armee während einer einzigen Schlacht abgenommen worden ist. Ein solch entscheidender Sieg ist zweifellos den ersten kühnen und geschickten Anordnungen zuzusprechen, man kann auch nicht genug ihre präzise und tatkräftige Ausführung bewundern. Generäle, Offiziere und Soldaten, alle haben sich selbst übertroffen.
Dessolle

Moreau ließ die Österreicher nur mit wenig Nachdruck verfolgen. So konnten die Reste ihrer Armee fast ungehindert die Stammlande gewinnen. Am 15. Dezember (24. Frimaire) zog die Vorhut der Division Decaen in Salzburg ein. Vier Tage später übernahm Erzherzog Karl das Kommando von seinem jüngeren Bruder über die elenden Reste einer Armee, die vollkommen erschöpft waren, von all dem, was sie erlitten hatten. Am 20. Dezember (29. Frimaire) erreichten die Franzosen Kremsmünster, Wels und Linz. Nur noch Oberbefehlshaber über den Schatten einer Armee, bat Erzherzog Karl um eine 48stündige Waffenruhe. Moreau gab diesem Ansinnen nach, worauf Decaen seinem Oberbefehlshaber vorhielt, daß Wien doch so nah sei, und wie ruhmvoll doch diese Eroberung wäre. Aber Moreau wertete den Gewinn des Friedens höher als die Eroberung Wiens, und außerdem sei die Rheinarmee schon viel zu weit in Österreich vorgedrungen, die anderen Armeen der Republik viel zu weit zurück. Wenn die Österreicher den Frieden wünschten, warum sollte man dann nicht darauf eingehen und stattdessen das Kriegsglück weiter herausfordern?
Die Rheinarmee rückte in diesen beiden Tagen bis zur Enns vor, wo sie enorme Vorräte in den Magazinen vorfand. Die Armee Erzherzog Karls zählte keine 30 000 Mann mehr. Am 25. Dezember (4. Nivôse) - am Weihnachtstag des Jahres 1800 - unterzeichnete Moreau in Steyer einen Waffenstillstand, nachdem Kaiser Franz II. angekündigt hatte, daß er zu einem Separatfrieden mit Frankreich bereit sei. Österreich schied damit aus der 2. Koalition aus, und England verlor seinen wirkungsvollsten Säbel auf dem Kontinent. Der englische Premierminister William Pitt trat daraufhin im März 1801 von seinem Amt zurück.

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